Tu es selbst. So gut du kannst. Mach dein eigenes Festival!

In Zukunft wird uns niemand mehr etwas abnehmen. Kein FDGB (in der DDR war die Einheitsgewerkschaft FDGB, man wird es kaum glauben, überregional einer der wichtigsten Veranstalter für nichtinstitutionelles Theater), kein Zentralhaus für Kulturarbeit (eine weitere Institution, die sich damit beschäftigte). Kein Roland Friedel (ein lokaler Aktivist). Kein Feind mehr vor der Tür. Keiner hinter dem Zaun.

Aaron
Foto © Theater Aaron: Antoine und Desireé

Leipzig war zu Zeiten der DDR ein Zentrum für „Freies Theater". Obwohl es das eigentlich natürlich nicht gab, nicht geben konnte. Aber es gab jederzeit ein paar Handvoll entfesselter Autodidakten, die brisanteres Theater machten, als es auf den großen Bühnen dieser Stadt zu sehen war. Dort gab es braves, verlogenes, altbackenes Zeig, das den Begriff Theater kaum verdiente (…). Von Ausnahmen abgesehen, hat sich daran nicht viel geändert.
1990 war dieses „Zentrum" unfähig zu produzieren. Zeitungsersatz war unnötig, (pseudo)revolutionäre Attitüden lachhaft geworden. Seit 1991 versuchen viele ehemalige Amateure, den Status Freier Theater anzupeilen. Bis heute ist keiner dort angekommen.
Das Theater des Ostens, das sich in seiner Bedrängnis vor allem inhaltlich entäußern wollte, braucht die formale Einflüsterung des Westens, der seine Inhalte seit jeher über eine zuschauergemäße Form verkaufen musste. Ein potentielles Publikum braucht einen Anlaß, überhaupt den Gedanken ins Auge zu fassen, sich auf (eher freies) Theater einzulassen. Die Stadtgesellschaft braucht eines Instanz, die stur und steif behauptet, daß Stadttheater insbesondere in einer solchen, um Nuancen gewendeten Art, für eine Stadt wie Leipzig nicht alles gewesen sein kann.
—> aus dem Vorwort des Programmheftes

Aufführungen
Willi Thomczyk / Theater Kohlenpott, Herne: Stories vom verschütteten Leben
Randompact Theatre Company, London: Trilogia
Studiotheater Christburger 6, Berlin: Der Nichtsnutz
Theater Aha, Lysa nad Labem: Das Wasserhuhn
Theater Zinnober, Berlin: Die Bremer Stadtmusikanten
Erwin Stache & Wolfgang Krause Zwieback, Leipzig: Festmahl im Tafü-Lafö (Hyland)
ORPH-Theater, Berlin: Maldoror
Ninilo Nihil, Paris: À La Porte, Borchert
Theater Aaron, Frankfurt/M.: Antoine und Desireé