MANöVER 2004 präsentiert die jüngste Generation professioneller deutscher Theatermacher. Studierende und Absolventen der angesagtesten Institutionen, die sich mit zeitgenössischer darstellender Kunst beschäftigen.
Während die Regieausbildung in Hamburg immer schon einen guten Ruf genoss, häufen sich in jüngster Zeit die Erfolgsregisseure und -gruppierungen, die ihr Handwerk und/oder das, was damit zu tun hat, in Gießen oder Hildesheim gelernt haben. Erinnert sei beispielsweise nur an Helena Waldmann, Stefan Pucher, an Performancegruppen wie She She Pop, Showcase Beat le mot oder Teile von Gob Squad, Projekte wie hygiene heute und Rimini Protokoll, Sebastian Nübling oder Albrecht Hirche.

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Foto Programmheftmotiv © Helmut Spinka

Seit einigen Jahren kommt so in das ewig gleiche deutsche Theater ein anderer Wind: Klassiker werden nicht mehr nur hörspielartig zelebriert, sondern skelettiert, dekonstruiert, gesampelt und/oder „ausgekoppelt“. Gruppendynamische Recherche und Forschung sind plötzlich salonfähig oder gar der letzte Schrei. Texte entstehen als Teil des Probenvorganges, bleiben in Bewegung, werden mit Alltag, Weltgeschehen und/oder Literatur angereichert. Neue Medien werden nicht von (groß)väterlichen Regisseuren anbefohlen, sondern auf ihre Fähigkeiten und Wirkungsweisen abgeklopft.
MANöVER zeigt nicht alles, was im jungen deutschen Theater möglich ist (…) zeigt vielmehr einen nicht repräsentativen Querschnitt junger Kreativer, die vielleicht fähig sind, in einigen Jahren Teil des Theateralltags zwischen Basel, Hamburg und Tallinn zu sein.
Etwas aber kann dieser MANöVERjahrgang auf jeden Fall aufzeigen: Bei allen formalen Experimenten, bei aller Zuhilfenahme theaterfremder Mittel; das Theater darf wieder politisch sein. Es zeigt seinen Widerstand gegen innergesellschaftliche und geopolitische Entwicklungen und es ist endlich wieder stolz darauf, dass dieser Widerstand manchmal böse klingt und wie eine Fratze aussieht. Eine lange Periode des bloßen Entertainments im ambitionierten Freien Theater scheint im Moment vorbei. Wenn die Zuschauer zurück ins Theater finden, dann tun sie es auch deshalb. Man will wieder etwas voneinander.

—> aus dem Vorwort des Programmheftes

Aufführungen
Anja Gronau, Hamburg/Berlin: Trilogie der klassischen Mädchen
Joachim von Burchard / Theater M21, Hildesheim/Göttingen: Deutschlandrasen
MEINUNGSBILDUNGSINSTITUT, Gießen: alpha alpha
mamouchi, Hildesheim/Basel: komm heim
Anne Bösenberg, Hanna Linn Wiegel, Gießen: gerne zuschauen
Charlotte Könenkamp, André Schallenberg, Gießen: sub rosa
Paul Wiersbinski, Gießen: BertoldBrechtBigBrotherKunstKaufhausVideoMix
Theater fensterzurstadt, Hannover: Ich Ich Ich

Präsentation
Achtner / Hofmann, Leipzig: open source shadowprint

MANöVERpodium
Theater als Theaterforschung

Geisterdisko