Erfolgreich zwischen allen Türen

Die Existenz dieses doch speziellen Festivals ist verschiedenen Umständen geschuldet. „Off Europa“ und sein Vorgänger MANöVER verstanden sich in Leipzig lange als Alternative zur etwa ein halbes Jahr eher gegründeten „euro-scene“. MANöVER bespielte weniger repräsentative Räume, lud häufig wildere, „unfertige“, weniger bekannte Künstler ein, sichtete anders, hatte letztlich andere Interessen. Ein gut informierter und aufgeschlossener Journalist adelte das im Jahr 1995 in „Theater der Zeit“ als „Mission“, während die „euro-scene“ für die „Dienstleistung“ verantwortlich zeichne.
Wie aber kann eine „Alternative“ dauerhaft und sinnvoll sein, wenn einfach nur weit weniger Geld zur Verfügung steht, kleinere Räume bespielt werden - und somit weniger Aufmerksamkeit generiert wird? Zwei Entscheidungen haben MANöVER/Off Europa gut getan: Die Konzentration auf einzelne Länder und die Ausdehnung auf die Landeshauptstadt Dresden, wo zwar ein besonderer Ort wie das Festspielhaus Hellerau existiert, aber kein vergleichbares Festival und wo insgesamt wenig Gastspiele gezeigt werden. Schon gar nicht von den für uns interessanten „Rändern“ Europas.

Web Theater iTD
Teatar iTD in Zagreb, Hybrid aus Stadttheater und alternativem Kunstort © Festival Off Europa / Knut Geißler

Unsere Hinwendung zu Süd-Ost-Europa verdankt sich unter anderem auch der kroatischen Ausnahme-Company Montažstroj, die bereits 1993 bei MANöVER gastierte. Wir erinnern uns noch sehr gut wie wir in der Halle A des damals frisch eröffneten Werk 2 mit einem acht Meter hohen, extra angefertigten Bühnenteil hantierten. Die „Rap Opera 101“ kam vom Z K M, einem der besten Stadttheater Ex-Jugoslawiens, der berühmte Bühnenbildner Tihomir Milovac hatte an jenem Tag schwer damit zu tun, seine Nerven im Zaun zu halten.
Heute, kurz nach ihrem 25. Geburtstag, agiert die Zagreber Künstlergruppe Montažstroj so wild entschlossen, so polarisierend und für die kroatische Gesellschaft relevant wie vielleicht nie zuvor. Hier wird sich wahrscheinlich keine überregionale Zeitung und kein Fernsehsender für ihre Arbeit interessieren. Dresdner Journalisten werden möglicherweise wieder mit den Achseln zucken und sagen „Das ist ein Leipziger Festival, darüber schreiben wir nicht.“ Ungewöhnlich für die gastierenden Künstler. Und seltsam angesichts der Tatsache, dass - wie immer bei „Off Europa“ - beinahe alle eingeladenen Aufführungen zum ersten Mal in Deutschland bzw. Westeuropa zu sehen sind.

Web Montažstroj Aufstand der Jugend by Barbara Šarić
Montažstroj-Projekt „Polet Mladosti“ (Aufstand der Jugend) © Barbara Šarić

Selten konnte „Off Europa“ eine so vielgestaltige Auswahl präsentieren wie bei „next stop Hrvatska“. Das handverlesene Programm bietet Tanz-Soli und Ensemblestücke, charismatische Performance ebenso wie ein wütendes (Theater)Konzert. Dazu eine Auswahl an Filmen die ohne ein Vorhaben wie „Off Europa“ in Leipzig und Dresden wohl nicht zu sehen wären.
—> aus dem Vorwort des Programmheftes

Aufführungen
Sonja Pregrad & Willy Prager: SEQUEL FOR THE FUTURE / a dance in 2043 / a dance in 2044
Lada Petrovski Ternovšek: NÓTT
Petra Hrašćanec / Saša Božić: Love will tear us apart
Montažstroj: A gdje je revolucija, stoko?
Silvia Marchig & Darko Japelj: Ovo (ni)je moja šuma - Das ist (nicht) mein Wald
Marjana Krajač: CHOREOGRAPHIC FANTASY NO. 1

Film/Dokumentation
Borut Šeparović / Montažstroj: Potrošeni (Consumed)


Präsentation + Gespräch
Sonja Pregrad: Neue Kroatische (Tanz)Kunst

Podiumsdiskussion
Non-commercial cultural scene of Leipzig and Zagreb

Filme
Tomislav Mršić: Kauboji (Cowboys)
Dana Budisavljević: Nije ti zivot pjesma Havaja (Family Meals)
Hana Veček: Zagrebačke priče 2 - Ljubav (Zagreb Stories Vol 2 - Love)
Nevio Marasović: Vis-à-vis
Kurzfilmprogramm