Gute Kunst ist immer auch politisch.

Die Bedingungen für Kunst sind in Israel alles andere als einfach. Eine konservative Regierungspolitik und vor allem eine rechte Kulturministerin machen den Künstlerinnen und Künstlern die Arbeit schwer. Das Problem ist nicht so sehr eine fehlende finanzielle Ausstattung, diese jedoch ist sofort gefährdet wenn die Kunst gewisse Pfeiler des Staates wie die Armee oder die Besatzungspolitik thematisiert. Bereits Nacktheit auf der Bühne war zuletzt ein viel diskutierter Grund, Fördermittel zurück zu fordern. In Jerusalem passiert es immer wieder einmal, dass ultraorthodoxe Juden Aufführungen stören oder gar verhindern. Auf der anderen Seite werden israelische Künstler bei Gastspielen im Ausland häufig als Vertreter*innen eines Unrechtsregimes betrachtet und sehen sich oft Boykottdrohungen ausgesetzt.
Weil unsere Auswahl etwas über das Land erzählen möchte ist sie unweigerlich auch eine Politische. So wie jede gute Kunst politisch ist. Ob es dabei um Gewalt oder Aussöhnung geht, um Frauenrollen oder Männerbilder, um kulturelle Verwurzelungen oder Geburtenraten - oder ob die Kunst sich selbst befragt, das Publikum in Israel reagiert stark auf Theaterarbeiten, die sich auf gesellschaftliche Diskurse beziehen, diese vielleicht sogar anstoßen.

Sperre by Knut Geißler
Sperre an einem der Aufgänge zum Tempelberg in Jerusalem © Festival Off Europa / Knut Geißler

Obwohl wir über einen längeren Zeitraum in Israel recherchiert haben, und dabei mehr als 150 Theaterarbeiten und Choreographien gesehen haben, bleibt ein solcher Fokus auf ein einzelnes Land stets Momentaufnahme. Das Programm ist eine gezielte Komposition von Arbeiten, die sich aneinanderreihen und ergänzen, die einem interessierten Publikum einen schlaglichtartigen Eindruck verschaffen können.
Auf alle Fälle wünschen wir all unseren Zuschauerinnen und Zuschauern wunderbare Begegnungen mit sehenswerten Aufführungen aus einem Land, dessen Darstellende Künste in Ostdeutschland und Sachsen selten so geballt präsentiert worden sind.
--> Beachten Sie unbedingt unsere Kartenpakete. Zum Preis von zwei Abenden erhalten Sie in Dresden und Chemnitz eine lokale Dauerkarte. Etwas teurer ist der Festivalpass, der in allen drei Städten zum Eintritt berechtigt. In Leipzig auch in den beteiligten Kinos.

Tanzwoche Machol Shalem by Knut Geißler
Werbung Jerusalem Dance Week unweit vom Machol Shalem Tanzhaus © Festival Off Europa / Knut Geißler

PS: Bei einem ersten Versuch vor einem Jahr mit „Open Hungary“ fühlte sich Off Europa in Chemnitz sehr gut angenommen. Großen Dank an unsere Partner von der vergleichsweise jungen Spielstätte Komplex. In Dresden hat uns - bei ausbleibender Förderung der Landeshauptstadt - das Societaetstheater die Türen weiter offen gehalten. Auch dafür herzlichen Dank.
—> aus dem Vorwort des Programmheftes

Aufführungen
Niv Sheinfeld & Oren Laor: You Happy Puppet
Rotem Tashach: It’s All Good
Shira Eviatar: Eviatar/Said
Shira Eviatar: Rising
Iris Erez: Local/not easy
Adi Boutrous: It’s Always Here
Roni Chadash: Victims & Images
Uri Shafir: Habitat
Yoav Bartel / home made ensemble: Shall we dance

Filme
Tomer Heymann: Mr. Gaga
Ofir Raul Graizer: The Cakemaker
Tamar Tal: Life in Stills
Alison Chernick: Itzhak Perlman - Ein Leben für die Musik
Kurzfilmprogramm: Paradis perdu / Pastrami / Compartments / The Little Dictator
Michael Teutsch: Café Ta'amon, King-George-Street, Jerusalem
Claude Lanzmann: Warum Israel

Konzert
A-WA